Die aktuelle Entwicklung des Oldtimer-Marktes

In diesen Tagen ist häufig über die Beruhigung, die Stagnation oder gar über den Rückgang des Oldtimer-Marktes zu lesen und zu hören. Wie stellt sich die Situation bei objektiver Betrachtung nun tatsächlich dar? Zunächst muss man hier unterscheiden zwischen dem weitaus größeren Markt der Fahrzeuge in der Kategorie unter 100.000,- Euro und dem deutlich kleineren und exklusiveren Markt darüber. Betrugen die Wertsteigerungen des gesamten Oldtimermarktes der letzten 10 Jahren im gesamten Schnitt 5,8 % so lagen sie für sich betrachtet im Hochpreissegment erheblich darüber.

Die höchsten Wertsteigerungen erzielten klassische Fahrzeuge der Premiumklasse über 100.000,- Euro in den Jahren 2012 bis 2015. Am stärksten stiegen die Preise im Jahr 2013 als der Index für seltene Fahrzeuge bestimmter Marken den Rekordwert von 45 % (!) erreichte. Das war allerdings ein Ausnahmejahr, das nicht als Maßstab für weitere Wertsteigerungs-raten gelten konnte.

Danach hat sich der Markt wieder etwas beruhigt, ohne dass jedoch etwa ein „Blase geplatzt“ wäre. Die Wertsteigerungen pendelten sich wieder auf ein „normales Maß“ ein. Betrachten wir einmal fokussiert die klassischen Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz über den gesamten Zeitraum von 1980 bis heute, dann liegen die Wertsteigerungen durchschnittlich bei respektablen 9% pro Jahr, wobei dies ein Durchschnittswert für das gesamte klassische Fahrzeugprogramm der Marke ist, die Wertentwicklung bestimmter Fahrzeugtypen also auch deutlich darüber lagen. 

Hierbei stellt sich nun die Frage, wie verlässlich sind solche Werte, beziehungsweise wie werden sie ermittelt. Neben einer Vielzahl von Institutionen und Interessenvertretungen ist der HAGI Index (Historic Automobile Group International) ein kompetenter Analyst des Oldtimermarktes, der von uns als Referenz herangezogen wird. Die Gruppe betreibt eine umfangreiche Datenbank mit mehr als 100.000 tatsächlichen Transaktionen aus privaten Kontakten, Markenspezialisten, Händlern und Auktionsergebnissen und konzentriert sich speziell auf die Marken Ferrari, Porsche und Mercedes-Benz.

Wie wird sich nun der Oldtimer-Markt weiter entwickeln?

Die derzeitige Abkühlung des Marktes wird als durchaus normal und gesund betrachtet. In den letzten dreißig Jahren gab es regelmäßig Schwankungen am Markt und die Preise sind letztlich immer wieder gestiegen. So wird sich die Situation auch in einigen Jahren wieder darstellen. Mittlere und größere Wertzuwächse wird es vor allem im Premiumsegment geben, wobei hier Faktoren wie Qualität und Historie, aber auch ähnlich der Situation auf dem Kunstmarkt, sich wandelnde und verändernde Vorlieben für bestimmte Fahrzeugtypen den Ausschlag geben werden.

Doch bei aller Diskussion über Werterhalt und Wertentwicklung geht es ja, wie wir wissen, bei klassischen Fahrzeugen bei weitem nicht nur um die rein finanziellen Aspekte. Beim Oldtimer handelt es sich nicht um Aktien oder Goldbarren die ausschließlich zum Zweck von Rendite-Erwartungen im Safe einer Bank liegen. Es geht bei seinen begeisterungsfähigen Liebhabern um eine emotionale Bereicherung, die Bestandteil ihrer Lebensart und Lebenskultur ist. Nur für die wenigsten steht beim Kauf eines klassischen Automobils die reine Wertanlage im Vordergrund. Nach entsprechenden Untersuchungen sind es deutlich weniger als 20 Prozent.

In seinem Schlusskommentar eines in der Zeitschrift „Mercedes-Classic“ geführten Interviews zur aktuellen Lage auf dem Oldtimermarkt äußerte sich Dietrich Haplata, geschäftsführender Gesellschafter von HAGI Index wie folgt:

„Herr Haplata, was glauben Sie: Wie wird der Oldtimermarkt in 20, 30 Jahren aussehen, wenn auf den Straßen der Welt größtenteils selbstfahrende Robotcars unterwegs sein werden?“

„Ich denke, dass die Sehnsucht nach Autos mit Lenkrad, Gangschaltung, Gaspedal und Motorensound gerade im Zeitalter des autonomen Verkehrs riesig sein wird. Die Klassiker werden noch mehr Symbol von Luxus und besonderem Lifestyle sein als heute.

Und auch in zwanzig oder dreißig Jahren wird dann die seit Jahrzehnten geltende Erkenntnis wieder zu hören sein:

„Damals hätte man kaufen sollen“.