Die Saison ist zu Ende

Eine ereignisreiche Oldtimer-Saison ist zu Ende gegangen. Der Höhepunkt für Arthur Bechtel Classic Motors war neben dem Auftritt bei verschiedenen Messen zweifellos die erneute Teilnahme am weltweit wichtigsten Concours d'Elegance in Pebble Beach, Kalifornien. Präsentiert haben wir dort den einmaligen Mercedes-Benz 630 Typ 24/100/140 PS „Murphy“, ein wirklich spektakuläres Unikat mit amerikanischer Spezialkarosserie von "Murphy Coachbuilders" aus dem Jahr 1924, das bei Publikum und Juroren große Aufmerksamkeit erregte.

Und die Anzahl der automobilhistorischen Veranstaltungen hat erneut zugenommen. Kein Wochenende ohne dutzende Termine im Veranstaltungskalender. Man muss sich das einmal vorstellen: Waren es in Deutschland vor 15 Jahren im Jahr 2000 noch 600 entsprechende Veranstaltungen, so gab es Ende letzten Jahres annähernd 2000 und inzwischen vermutlich noch deutlich mehr. 

Neben den überregional etablierten Messen in Essen, Stuttgart, Bremen und Friedrichshafen sowie weiteren regionalen Veranstaltungen und Märkten, ist im Oktober in Berlin die „Motorworld Classics“ das erste Mal an den Start gegangen. Eine charismatische Messe, die von Ausstellern und Besuchern durchweg positiv beurteilt wurde und das Potential hat, sich in der Bundeshauptstadt zu einem der wichtigsten Schaufenster der Oldtimer-Szene zu entwickeln. Und eine weitere Oldtimer-Messe wird ab nächstem Jahr in Nürnberg stattfinden. 

Auch die Anzahl der Oldtimer-Zentren schreitet voran. Die Motorworld in München Freimann (Historisches Ausbesserungswerk der Bahn) ist nach längerer Planung inzwischen in der Realisierung, die Pläne für jeweils eine Motorworld in Köln (Historischer Flugplatz Butzweiler Hof), in Herten (Zeche Ewald) und die „Motorworld Manufaktur“ in Berlin stehen kurz vor der Realisierung. 

Es zeigt sich also: Der Oldtimer-Markt boomt und immer mehr Menschen begeistern sich für die Old- und Youngtimer-Szene. Wie populär die Schätzchen von gestern geworden sind, zeigt sich beispielsweise auch im Bereich der Fernseh-Spielfilme. Es fällt auf, dass immer öfter jeweils einer der Haupt-Darsteller oder Darstellerinnen einen „Oldi“ fährt, was zweifellos, ähnlich wie beim „Product-Placement“ für aktuelle Fahrzeuge, Begehrlichkeiten für den jeweiligen „Traum-Old- oder Youngtimer“ weckt. 

Das alles führt unter anderem dazu, dass die Wertsteigerung weiter zunimmt und bestimmte klassische Fahrzeuge in dieser Hinsicht alle Rekorde schlagen. Ein Ende dieser Entwicklung ist trotz vieler Unkenrufe nicht abzusehen. Entscheidendes Kriterium ist die Tatsache, dass auch aufgrund neu hinzukommender Märkte in Fernost ein tendenziell knapper werdendes Angebot auf anhaltend steigende Nachfrage trifft. Knapper werdend deshalb, weil viele klassische Fahrzeuge in Sammlungen verschwinden und dort mitunter sehr lange Zeit „geparkt“ werden. 

Zum anderen handelt es sich im Gegensatz beispielsweise zum Kunstmarkt um ein absolut begrenztes Angebot. Es wurden beispielweise eben nur rund 350 BMW 507, 1.300 Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer und rund 26.000 Mercedes-Benz 190 SL gebaut, von denen natürlich längst nicht alle erhalten geblieben sind. 

Sie meinen 26.000 gebaute190 SL seien bereits eine relativ hohe Stückzahl? Dann schauen wir uns einmal den aktuellen Automobilmarkt an. Heute haben wir einen weltweiten Bestand von 1,2 Milliarden Kraftfahrzeugen. Pro Jahr werden heute weltweit 80 Mio. PKW's und Nutzfahrzeuge produziert, das sind rund um die Uhr pro Sekunde 2,6 und pro Stunde 9.360 Fahrzeuge. 

Nehmen wir an, Sie gehen abends ins Kino und trinken anschließend noch ein Bierchen dann werden in diesen drei Stunden 28.000 Automobile produziert. Das sind immer noch etwa 2000 Einheiten mehr als die Anzahl des im Laufe von acht Jahren produzierten Mercedes-Benz 190 SL. 

Nun sollten wir allerdings die Kriterien beim Kauf eines Oldtimers nicht auf solche Maßstäbe reduzieren, die wir beim Erwerb eines Aktienpaketes zugrunde legen. Denn ein klassisches Automobil ist schließlich sehr viel mehr als ein Stück Papier das Gewinn verspricht. Vielmehr sollte der Kauf eines Klassikers eine Herzensangelegenheit sein, bei dem die Emotion eine entscheidende Rolle spielt. Nichts macht die Vergangenheit lebendiger als ein historisches Automobil. Auf faszinierende Art verkörpert es die Zeit in der es damals als Neuwagen in den Schauräumen stand und für viele ein unerfüllbarer Traum war. Und jede Ausfahrt wird eine Reise in die Vergangenheit. Wandeln Sie auf deren Spuren auf dem Weg zur nächsten Eisdiele oder über die Alpen zum Lago Maggiore und genießen Sie abseits der großen Verkehrswege ein fast schon in Vergessenheit geratenes Lebensgefühl! 

Und wenn das Wetter es nicht zulässt? „... . Dann gehe ich ab und zu in meine Garage, drehe ein paar Runden um mein Schmuckstück, höre im Geiste ‚Seems it never rains in southern California’ und sehne den nächsten Frühling herbei,“ so kürzlich das Geständnis eines Kunden unseres Hauses. 

In diesem Sinne: Träumen Sie schön - bis jetzt ist er noch immer gekommen, der nächste Frühling!