Ist der große Hype im Oldtimermarkt vorbei?

„Der große Hype im Oldtimermarkt ist vorbei.“ So hat man es in den letzten Monaten häufig vernommen und bei manchen Experten hat man den Eindruck eine gewisse Häme heraus zu hören, denn „man hat es schon lange gewusst, dass der Markt einbrechen, die Blase irgendwann platzen wird.“ Was also ist geschehen im Markt klassischer Automobile im abgelaufenen Jahr 2016?

Die Oldtimerpreise sind erneut gestiegen, wenn auch nicht ganz in dem Maße wie im Jahr zuvor. Der vom Verband der Automobilindustrie ermittelte Oldtimer-Index hat 2016 um 4,4 Prozent auf Basis des Vorjahres zugelegt. 2015 betrug die Wachstumsrate noch 5,6 Prozent. Das sind aktuell zwar 1,2 Prozentpunkte weniger - von Dramatik kann aber keine Rede sein. 

Ursache für diese Beruhigung am Markt ist vor allem die Tatsache, dass insbesondere in den unteren und mittleren Preissegmenten neben einer gewissen Stagnation bestimmter Marken und Typen, die Interessenten und Käufer besonders begehrter und höher gehandelter Baureihen kritischer in Bezug auf Qualität, Originalität und Historie geworden sind und nicht mehr jedes Preisangebot „blind“ akzeptieren. Andererseits wurden auch 2016 für die besonderen Juwelen im Klassikermarkt Höchstpreise erzielt. Mit dabei sind die Dauersieger der internationalen Charts der Marken Ferrari, Porsche und Mercedes-Benz. Aber natürlich auch bestimmte Baureihen von Traditionsmarken wie zum Beispiel Jaguar, Aston Martin, Maserati und vor allem auch die großen und legendären Namen des automobilen Rennsports. 

Aktuelles Beispiel ist ein Porsche 356 A Speedster Baujahr 1957, ein Scheunenfund der im originalen, patinierten Zustand auf einer Auktion in den USA für 665.000 Dollar verkauft wurde. Rekordverdächtig war auch eine Auktion im November vergangenen Jahres, bei der im Rahmen der „Milano Auto Classica“ 400 Fahrzeuge im wesentlichen der Marken Porsche, Jaguar, Ferrari, Mercedes-Benz, Alfa Romeo und Maserati angeboten wurden. Mehr als 5.000 Interessenten weltweit überboten sich bei der dreitägigen Marathon-Veranstaltung in einer zum Kaufrausch aufgeladenen Atmosphäre zu einer regelrechten Bieter Hype, die am Ende zu Höchstpreisen der angebotenen Klassiker führte. Um nur ein Beispiel davon zu nennen: Ein Mercedes-Benz 300 E Youngtimer aus dem Jahr 1988 erzielte den Hammerpreis von 84.000 Euro! 

Und auch bei der vom 14. bis 22. Januar stattgefundenen „Scottsdale Auction Week“ in Arizona / USA, dem automobilen Marktplatz der Superlative für klassische Automobile schlechthin, war von Kaufzurückhaltung absolut nichts zu spüren. Die Verkaufsrate der verschiedenen Auktionshäuser betrug 87 Prozent (!), bei einem Gesamtumsatz von 260 Mio. Dollar. Interessant dabei ist die Rangliste der wertmäßig höchstplatzierten Verkäufe. Unter den ersten sechs Spitzenreitern befinden sich drei Vorkriegsfahrzeuge. Insbesondere die Marke Mercedes-Benz ist dabei stark vertreten. Auf Platz 2 ein Mercedes-Benz 540 K Spezial Roadster von 1939 für 6,6 Mio. Dollar, auf Platz 4 ein Mercedes-Benz Typ S Sports Tourer von 1928 für 4,8 Mio. Dollar und auf Platz 6 ein Bugatti Typ 35 Grand Prix Rennwagen von 1925 für 3,6 Mio. Dollar. 

Als Resümee lässt sich feststellen, dass im Oldtimermarkt bei kritischster Betrachtung eine gewisse Beruhigung auf hohem Niveau stattgefunden hat. Natürlich gibt es, wie in allen Lebensbereichen, wechselnde Vorlieben und daraus resultierend verändernde Nachfragen, so eben auch bei klassischen Automobilen. Und das auch innerhalb der Produktpalette einzelner Marken. 

Die Nachfrage nach gesuchten und qualitativ hochwertigen Fahrzeugklassikern ist nach den Ergebnissen der jüngsten Auktionen im internationalen Oldtimermarkt nach wie vor ungebrochen.