Von der Vergänglichkeit (oder auch nicht).

Alles unterliegt der Vergänglichkeit, das ist nun mal ein Naturgesetz. Und es ist die wirklich einzige Gerechtigkeit dieser Welt, die ausnahmslose Gültigkeit besitzt. Es gibt jedoch von Menschen erschaffene Dinge, die trotz großer Kriege, Vandalismus oder auch einer mitunter respektlosen Abrisskultur über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende überlebt haben.

Das sind zum Beispiel früheste Kultstätten der Menschheit wie Stonehenge in England, die zu den sieben Weltwundern gehörenden Pyramiden der Ägypter, sakrale Bauten verschiedenster Religionen der Weltgeschichte, sowie Burgen, Repräsentationsbauten, Schlösser und weitgehend erhaltene historische Stadt- und Dorfbezirke aus vergangenen Jahrhunderten. Aber auch unter Denkmalschutz stehende technische Bauwerke wie Wasserkraftwerke, mit Dampf- oder Wasserkraft betriebene Werkstätten und Fabriken sowie Bergwerke und Häuser einer bestimmten Kultur-Epoche gehören dazu. Haben solche bewunderns- und erhaltenswerte Objekte alle wechselvollen Zeiten mehr oder weniger unbeschadet überstanden, ist es manchmal nicht ganz einfach deren weitere Existenz zu sichern. Insbesondere dann, wenn solche historischen und denkmalgeschützten Objekte einem kommerziellen Neubauprojekt im Wege stehen. 

Einer solchen Neubebauung wird dann zum Beispiel mit Hinweis auf die erheblich bessere Wirtschaftlichkeit oder die Zukunft unserer Enkelkinder eine fundamentale, wenn nicht gar existenzielle Bedeutung beigemessen, sodass auch der Denkmalschutz am Ende keine Stimme mehr hat und sich einem Abriss des Objektes beugen muss. Oder man lässt eine beginnende Ruine bewusst oder unbewusst über Jahre hinweg vollends verkommen, sodass am Ende nur noch der Abriss in Frage kommt. 

Dabei darf man natürlich nicht verkennen, dass es weltweit auch sehr viele Initiativen amtlicher und privater Art gibt, die sich der Restaurierung und dem Erhalt von historischen Gebäuden, Anlagen und Objekten verpflichtet sehen und denen man dafür höchste Anerkennung zollen muss. Leider fallen aber trotzdem immer wieder historische Objekte der Abrissbirne zum Opfer, die dann unwiederbringlich verloren sind. 

Und in diesem Zusammenhang stellt sich nun die große Frage: welcher kulturhistorische Bereich verfügt über die weltweit größte Interessengemeinschaft, die sich unter dem Einsatz höchster ideeller und materieller Aufwendungen die Restaurierung, die Pflege und damit den Erhalt von kulturhistorischen Objekten zur Aufgabe gemacht hat? Richtig: Es ist die seit Jahrzehnten anwachsende Zahl von Oldtimer-Enthusiasten! 

Das stetig steigende Interesse und die naturgemäß begrenzte Anzahl von historischen Fahrzeugen hat zur Folge, dass selbst automobile Ruinen mit zum Teil extremem Aufwand wieder aufgebaut und in einen Zustand versetzt werden, der dem des damaligen Neuzustandes entspricht. Damit sind jedoch nicht die Leute gemeint, die aus einem Motorblock, einer Hinterachse und ein paar zusammen getragenen Kleinteilen einen Kompressor-Mercedes aufbauen, um ihn dann als "zertifiziertes" Original für einen Millionen-Betrag anzubieten. 

Sondern damit sind die weltweit vielen Oldtimer-Spezialisten und ebenso die Liebhaber und Sammler gemeint, die mit ihrem vielseitigen Engagement das Kulturgut Automobil nicht nur am Leben erhalten, sondern, die mit professionellem Restaurierungsaufwand Objekte "für die Ewigkeit" schaffen. Das bedeutet nicht, dass absolut jedes historische Automobil in einen perfekten Zustand 1 versetzt werden muss. Denn es gibt, leider nicht sehr häufig, auch jene klassischen Fahrzeuge, die über Jahrzehnte in einem solch guten Zustand mit einer liebenswerten Patina überlebt haben, sodass sich eine Restaurierung verbietet. Das sind Autos, die bei gesunder Substanz in ihrer originalen Patina erhalten werden sollten. 

Kein anderes Segment von erhaltenswürdigem Erbgut menschlicher Schaffenskraft hat eine weltweit größere Anhängerschaft wie die automobile Klassik. Der Erhalt dieser technischen Denkmäler, angefangen bei einem Citroen 2 CV bis hin zu einem Mercedes-Benz SSK, ist deshalb in einer weitaus höheren Bandbreite gesichert als die meisten anderen Sparten des Denkmalschutzes. Dazu gehört der unauffällige Schrauber in der heimischen Garage, dessen Enthusiasmus man genauso hoch einschätzen muss wie denjenigen Liebhaber dessen automobile Leidenschaft mit hohem finanziellen Einsatz zu einer ansehnlichen Fahrzeug-Sammlungen geführt hat. 

Das alles bedeutet nicht, dass wir Oldtimer-Leute uns als die Retter menschlichen Kulturgutes schlechthin sehen und das klassische Automobil auf eine Stufe mit den ägyptischen Pyramiden, dem Kölner Dom, oder dem Schloss von Versailles stellen. Auf einen fast lückenlosen Erhalt ingeniöser und gestalterischer Schaffenskraft vergangener Epochen, hinter dessen jedem einzelnen Exemplar immer auch eine individuelle Geschichte steht, können wir jedoch schon ein wenig stolz sein.